Wundersame Transparenz

Wundersame Transparenz

Interview mit Andreas Roye von Lucem

Die Gewinner des Materialpreis im Jahr 2019 durften sich über einen Pokal aus einem ganz besonderen Material freuen: Lichtbeton. Gefertigt wurden sie von der Firma Lucem aus Aachen. Lucem kann aber nicht nur wunderschöne Pokale herstellen – als Wandverkleidung, Fassaden, Böden oder Möbel kann das lichtdurchlässige und gleichzeitig robuste Material verwendet werden. Auch in der raumprobe können Besucher ein großes Lichtbeton-Muster an- und begreifen und die wundersame Transparenz des eigentlich massiven Materials erleben. Mehr zu Lichtbeton von Lucem haben wir im Interview erfahren.

Ihr habt es mit Eurem Lichtbeton geschafft, dass ein Material, das für seine Robustheit und massive Anmutung bekannt ist, leicht und spielerisch wirkt – Euer Beton kann leuchten! Wie funktioniert das?

Das Prinzip ist an sich recht einfach, aufwendig ist die Herstellung. In den feinkörnigen Beton werden Glasfasern eingearbeitet – wenn nun eine Lichtquelle, künstlich oder natürlich, auf diese fällt, wird das Licht durch den Beton geleitet und bringt ihn dadurch zum leuchten.

Beton ist grau und schwer, die eingearbeiteten lichtleitenden Fasern sind transparent – welche gestalterischen Möglichkeiten gibt es bei Lichtbeton? Lassen sich Eure Produkte individualisieren?

Auf jeden Fall! Sowohl hinsichtlich des Betons als auch bezüglich der Anordnung der Glasfasern: Neben den Standardfarben Grau, Schwarz und Weiß sind Sonderfarben des Betons möglich – wie auch eine Bearbeitung der Oberfläche, zum Beispiel Bürsten oder Polieren. Hiervon abgesehen, können mit den Glasfasern individuelle Schriftzüge in den Beton eingearbeitet werden. Bild: Al-Aziz Moschee in Abu Dhabi

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Die eingearbeiteten optischen Fasern sind rund und lassen so Lichtpunkte im Beton entstehen. Könnte man auch Fasern mit einer anderen Form im Querschnitt einarbeiten?


Das wäre denkbar – würde aber für keinen großartig anderen Effekt sorgen. Zudem wäre dies in der Herstellung teurer und dadurch vermutlich unattraktiver für Bauherren und Architekten.

Ihr nennt Euer Material auch „Digitaler Beton“ – Was macht Euren Beton digital?


Lichtbeton wird digital dadurch, dass die hinterlegte Lichtquelle aus gesteuerten LEDs besteht. Dadurch ist es möglich mittels spezieller App das Leuchtverhalten des Betons zu steuern: Helligkeit, Farbe, Leuchtdauer etc. können individuell eingestellt werden.

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Lichtbeton eignet sich sowohl für den Innen- als auch für den Außenbereich. Bei welchen Projekten kam Euer Material zum Einsatz und an welcher Stelle?

Neben der ganz klassischen Verwendung als beleuchtete Fassade außen bzw. innen können z.B. Firmenschilder, Sitzmöbel, Lampen hergestellt werden. Die wohl beeindruckendsten Projekte waren aber wohl der Grabstein für den Royal Hashemite Court in Amman/Jordanien, die Al-Aziz Moschee in Abu Dhabi und das Rotweinlager (Weißwein wird dort in einem anders temperierten Raum gelagert) in einem afrikanischen Jagdhaus.



Kann Lichtbeton wie herkömmlicher Beton bearbeitet werden und auch wie solcher z.B. für eine Fassade, eingesetzt werden?

Definitiv. Die Glasfaserelemente machen im Schnitt 3 % des Betonsteins aus – dadurch behält er seine Festigkeit, Wetterbeständigkeit, Robustheit etc. und kann wie ein Naturstein bearbeitet werden.

Mit Lucem Lights präsentiert Ihr eine Reihe von Lichtelementen aus Lichtbeton. Wie ist es dazu gekommen? Wie bringt Ihr Licht in die Produkte?

In unserem privaten Umfeld haben wir so viel positives Feedback und massig Anfragen nach kleineren Maßen sowie nach Produkten und Lösungen für den Eigengebrauch unseres Lichtbetons bekommen, dass wir uns dazu entschieden, Produkte, die leicht selbst zu verbauen sind, für den Eigenbedarf anzubieten. Derzeit haben wir Pflastersteine in verschiedenen Größen in der Herstellung. Da diese primär für Gehwege und Parkplatzbeleuchtung gedacht sind, werden hierbei mittels LED und Kabel die Betonsteine zum Leuchten gebracht.

Ihr verbindet für Euren Lichtbeton gegensätzliche Materialien. Gibt es weitere Materialien, die Ihr gerne mit Beton verbinden würdet? Gibt es da vielleicht schon eine neue Kombination, die Ihr uns verraten wollt?


In der Tat arbeiten wir derzeit an der nächsten Generation des digitalen Betons mit Sensorik und personalisierten Licht- und Informationsdarstellungen – lasst Euch überraschen!

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Material, das Ihr braucht:

Sand, Zement, Wasser und Lucem-Fasern

Material, das Euch bewegt:

Licht und Beton

Material, von dem Ihr träumt:

leuchtender Beton

Das weltweit agierende Aachener Unternehmen Lucem produziert, entwickelt und vertreibt digitalen Lichtbeton für namhafte Design- und Architekturprojekte sowie hochwertige Systemlösungen für Endkunden.



Die Produkte: Lichtbeton, der einzigartige Atmosphäre schafft

Die Personen dahinter: Dr. Andreas Roye (Bild rechts) und sein Team



Bilder © Lucem



Lucem GmbH

Philipsstraße 8
52068 Aachen
Deutschland

www.lucem.com

Eine Erleuchtung der besonderen Art: die Materialpreis-Pokale aus dem Jahr 2019 von Lucem! Erfahren Sie mehr zum diesjährigen Materialpreis »hier

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