Materialpreis 2017

Rückblick Materialpreis 2017

> 280 eingereichte Projekte
> 14 verschiedenen Nationen
> 1. Mal mit Publikums-Voting
> neuer Onlineauftritt
> neue Kategorien
> 15 Preisträger
> 8 Juroren: Jutta Blocher, Prof. Dagmar Eisermann, Amandus Sattler, Christian Sieger, Matthias Siegert, Robert Volhard, Hannes Bäuerle & Joachim Stumpp

Gewinner des Materialpreis 2017

Der beste Materialeinsatz gewinnt

280 Einreichungen, 250 Gäste, 15 Preisträger! In der mehr als beeindruckenden Atmosphäre des Hospitalhofs Stuttgart wurden die Auszeichnungen und Anerkennungen an die Preisträger des Materialpreis 2017 vergeben. Ein voller Saal mit heiterem Publikum, zufriedene Sponsoren und stolze Preisträger trugen zur erfolgreichen Abendveranstaltung bei.

Der Materialpreis 2017 ist Geschichte! Die Preisträger sind gekürt! Mit einer fulminanten Anzahl von 280 Einreichungen aus 14 Ländern hatte die Fachjury die herausfordernde Aufgabe den aufsehenerregenden Einsatz bemerkenswerter Materialien von gleichermaßen hoher ästhetischer und architektonischer Qualität auszuzeichnen. Die enorme Bandbreite bemerkenswerter Projekte reichte von Staatsoper bis Straßenreinigungsdepot, von Tanzstudio bis Traktorunterstand, von UNESCO Weltnaturerbe Museum bis Weingut, von Judohalle bis zur Bushaltestelle.

Aus den Beiträgen haben die Juroren je drei Gewinner in den Kategorien Anwendung, Material und Materialeinsatz gekürt. Ob der gleichermaßen innovativen und kreativen Hochschularbeiten zeigten sich die Juroren besonders beeindruckt und großzügig. Sie vergaben drei zusätzliche Anerkennungen an Studentenprojekte. Erstmals hatte in diesem Jahr das Publikum die Möglichkeit über die Preisträger in der eigenen Kategorie Publikums-Voting abzustimmen. Auch hier wurden drei Projekte ausgezeichnet, bei denen Material einen besonderen Stellenwert einnimmt.

1. Auszeichnung Anwendung

BIODIVERSUM "Haff Remich" von VALENTINY hvp architects

Kommentar der Jury: Trotz seiner gleichermaßen anspruchsvollen wie ungewöhnlichen Form, die Assoziationen an ein keltisches Bootsrumpf weckt, nimmt sich die Architektur zurück und bettet sich ganz selbstverständlich in das Haff ein. So wird eine außerordentliche Stimmigkeit von Ort, Thema, Material und Funktion erzeugt. Die harmonische Symbiose von Innen und Außen, Fassade und Dach, Architektur und Natur ist materialgeschuldet. Die Ausarbeitung des Projektes ist äußerst kohärent und eine Runde Sache, wo alles zusammenpasst. 

Fotograf: Brigida Gonzalez

» Zum Projekt
2. Auszeichnung Anwendung

Aesop Signature Store München von eins:33 GmbH

Kommentar der Jury: Schon allein die Berücksichtigung des Ortes im Konzept und die Reflexion der Umgebung ist preiswürdig. Das Wiederbeleben einer alten Immobilie gelingt hier durch das Entkernen des Raumes. Die so freigelegte Betondecke im 60er Jahre Duktus baut Korrespondenz zum monolithischen Tresen auf. Der dazu inszenierte Kontrast aus pudriger Stofflichkeit und rauem Beton kopuliert mit dem überraschenden Moment des Duftes. Die sich daraus entfaltende Poesie festigt die große Alleinstellung der Marke weiter, handelt es sich doch um den einzigen Filialisten, der in jedem Projekt anders agiert. 

Fotograf: Bodo Mertoglu

» Zum Projekt
3. Auszeichnung Anwendung

FEUERWEHRHAUS SAND IN TAUFERS von PEDEVILLA ARCHITECTS

Kommentar der Jury: Die Gesamtkonzeption aus Putz, Metall und Wald und die Selbstverständlichkeit der Farbgebung sind mutig und überzeugend zugleich. Da wirkt selbst eine gelbe Tür nicht komisch. Weit mehr noch – schwierige Details wie der Übergang vom Putz zum Gitter sind sehr gut gelöst, die Verzahnung über Geländer und Leuchten in der Landschaft macht die Architektur zu einem Ort und die konsequente Monochromie verleiht dem Feuerwehrhaus fast musealen Charakter. Dabei schafft das tradierte Material des rauen Putzes gleich zweifach Bezug zum Ort: in einer Zeit nur noch glatter, homogener Oberflächen greift der Spritzputz die südtirolische Tradition auf, seine assoziative Farbgebung zum herbstlichen Lärchenwald unterstützt dies ausdrucksvoll. 

Fotograf: Gustav Willeit

» Zum Projekt
1. Auszeichnung Material

Staatsoper Unter den Linden von HG Merz GmbH

Kommentar der Jury: So notwendig die weitreichenden Eingriffe in die historische Bausubstanz auch sind, so ungemein sensibel und behutsam erweist sich ihre Gestaltung. Aus dem klassizistischen Deckendekor abgeleitet, entsteht eine großflächig perforierte, sphärisch gekrümmte und selbsttragende Schale, die sich geradezu selbstverständlich in die omnipräsente Deckenansicht einfügt. Dass aus der Notwendigkeit heraus eine so gute gestalterische Lösung gefunden, dass eine so spezielle Aufgabe so perfekt gelöst werden konnte, gebührt großen Respekt. 

Fotograf: hg merz

» Zum Projekt
2. Auszeichnung Material

Achim Menges with Moritz Dörstelmann (ICD University of Stuttgart / Achim Menges Architect) Jan Knippers (ITKE University of Stuttgart / Knippers Helbig Advanced Engineering) Thomas Auer (Transsolar Climate Engineering / TUM) Commissioned by the V&A London

Kommentar der Jury: Leicht und filigran mutet dieser Pavillon an, der höchst virtuell daher kommt, ja fast gerendert scheint. Textil als festes, statisches Material auf die Kräfteverteilung abgestimmt – das ist neu und bedeutet jahrelange Forschung. Und so selbstbewusst präsentiert sich der Pavillon als Symbiose aus struktureller Effizienz und architektonisch surrealer Gestalt. Das Resultat computerbasierter, bionischer Entwurfsmethoden und robotischer Fertigungsverfahren – mit seinen verrückten Auskragungen – ist einfach unglaublich und zeigt auf verblüffende Weise das große Potenzial von faserbasierten Werkstoffen für Leichtbaukonstruktionen im Bauwesen: materialgerechtes Design in höchster Vollendung. 

Fotograf: NAARO

» Zum Projekt
3. Auszeichnung Material

Waldfriedhof Heidenheim, Umbau Aussegnungshalle und Aufbahrungsgebäude von kaestle&ocker Architekten BDA

Kommentar der Jury: Die tektonisch gefalteten, aufstrebenden, scheinbar nicht enden wollenden Wandelemente erzeugen eine gotische Anmutung. Klarheit, Ruhe und Ästhetik entmaterialisieren den Raum. Ein Zukunftsprojekt. Wie kriegen wir Neubauten in bestehende Bauten integriert? Was finden wir wertvoll? Was bewirken Materialien? Hier wird die bauliche Aufgabe mit Material erfüllt, der Raum mit Atmosphäre gefüllt. Die große Sensibilität für Raum und seine Nutzung vervollkommnet sich im Fenster der Hoffnung und sorgt für ein positives Erlebnis beim Abschiednehmen. 

Fotograf: Brigida Gonzalez

» Zum Projekt
1. Auszeichnung Materialeinsatz

Aktivhaus-Siedlung Schelmenholz von Werner Sobek Design GmbH

Kommentar der Jury: Wie kann man mit ästhetischer Qualität günstigen Wohnraum schaffen? Diese zeitgemäße Frage hat die Jury mit diesem Projekt beantwortet: Containerbau in einer neuen Qualität. Selbst die ausgeführten Dachterrassen zeugen von Angemessenheit. Die architektonische Komposition und die konsequente Verwendung von Lärche im Außen- und Fichte im Innenbereich sorgen für materialgerechten Einsatz, der schlichtweg überzeugt. 

Fotograf: Zooey Braun

» Zum Projekt
2. Auszeichnung Materialeinsatz

Neubau Betonhaus in Füllinsdorf von Wespi de Meuron Romeo Architekten BSA mit weberbuess Architekten FH/SIA

Kommentar der Jury: So einfach dieser Monolith erscheint, so komplex ist seine Ausführung. Konsequent monolithisch, innen wie außen, muten Architektur und Innenarchitektur künstlerisch, ja skulptural an. Dazu trägt vor allem die großartige Setzung der Fenster und Nischen von innen bei. Dass das uralte Material als Ortsbeton nach dem Ausschalen ausgewaschen wird und die damit verbundene, äußerst schwierige Verarbeitung machen die ungemein hohe Qualität umso beachtlicher. 

Fotograf: Hannes Henz Architekturfotograf

» Zum Projekt
3. Auszeichnung Materialeinsatz

Haus Sulzer von Andreas Fuhrimann Gabrielle Hächler Architekten ETH BSA SIA AG

Kommentar der Jury: Dieses Gebäude ist kein Monolith, sondern besticht durch die Kombination unterschiedlicher Materialien. Mehr noch: Dieses verrückte Haus mit seiner ästhetischen Trashigkeit ist cool und unverschämt zugleich. Der spielerische Umsatz, das Collagenhaftige, die vielen Zitate, der Humor und der Mut verschiedene Materialien so einzusetzen, bedarf sicherlich auch mutiger Bauherren. So überlagern sich verschiedene Ideen zu einer frischen, sich selbst nicht so ernst nehmenden Architektur, in der selbst die Garage zu einem gestalterisch hochwertigen Raum wird. 

Fotograf: Valentin Jeck

» Zum Projekt
1. Auszeichnung Publikums-Voting

MAS-Musterhaus Namibia von Robert Rösler für PolyCare GmbH & Co.KG

Fotograf: PolyCare

» Zum Projekt
2. Auszeichnung Publikums-Voting

Herzpraxis Zürich-Höngg von Dost

Fotograf: Andrin Winteler

» Zum Projekt
3. Auszeichnung Publikums-Voting

Parkhaus ALDI Süd von Koschany + Zimmer Architekten KZA

Fotograf: ALDI Süd

» Zum Projekt
Anerkennung Kategorie Studie & Vision

TUNNELFLIEGER von HOCHSCHULE MAINZ - UNIVERSITY OF APPLIED SCIENCES

Kommentar der Jury: So kostengünstig und unkompliziert das Material, so einfach seine Installation vor Ort. Die Materialeigenschaften und die Verarbeitungsmöglichkeiten werden clever ausgenutzt. Diese Komponenten führen dazu, dass sich die Gestaltung in jegliche Raumstrukturen einbringen lässt, dass die positive Kraft, die das Projekt einerseits generiert und die Ablenkung, die die Bespielung andererseits auslöst, ungehindert potenziert werden können. Der Aspekt, der vollkommen heraussticht, ist die Menschlichkeit, die dahinter steckt: dieses Projekt ist nicht selbstreferenziell, sondern sinnvoll und seine Botschaft, Nutzern etwa Positives mit auf den Weg mitzugeben, ist mehr als vorbildlich. 

Fotograf: Christoph Lison & Tobias Etzer

» Zum Projekt
Anerkennung Kategorie Studie & Vision

PNEUMATIC FORMING OF HARDENED CONCRETE von TU WIEN / ÖHLINGER + PARTNER ZT GES.M.B.H.

Kommentar der Jury: Man lege ein Luftkissen unter eine exakt geometrisch definierte, zuvor bereits ausgehärtete Betonplatte mit keilförmigen Aussparungen, bläst dieses auf und umspannt das Ganze. Tollkühn oder waghalsig sind vielleicht passende Adjektive um das Projekt und die Idee zu beschreiben Beton im ausgehärteten Zustand zu biegen. Der Verzicht auf Schalung und Leergerüst bei gleichzeitiger Einsparung von über 50% Beton und Bewehrungsstahl macht diese Produktionsmethode gleichzeitig ökonomisch und ökologisch. Daher wird das Verfahren wohl Einzug in die Bauwelt halten und dem harten Baustoff Beton neue Konnotationen mit auf die Reise geben. Im wahrsten Sinne des Wortes spannend bietet das innovative Verfahren Potenzial für zukünftige, zweifach gekrümmte Betonschalen und Kuppelbauten. 

Fotograf: Martina Pipprich

» Zum Projekt
Anerkennung Kategorie Studie & Vision

SPACERFABRIC-PAVILION: TEXTILE LEICHTBAUHÜLLE von FRANKFURTER FORSCHUNGSINSTITUT FFIN, FRANKFURT UNIVERSITY OF APPLIED SCIENCES

Kommentar der Jury: Bis dato noch ein gestaltungsaffines Schattendasein führend, verweist dieser studentische Pavillon auf das enorme Potential textiler Abstandsgewirke in der Architektur. Bisweilen als textile Bewehrung in nicht sichtbarer Verwendung bekannt, tritt hier die reine Materialität mit konstruktiver und dekorativer Struktur zugleich in Erscheinung: als ornamentale, selbsttragende, transluzente und sichtbare Struktur. Die daraus generierte Innenraumqualität überzeugt atmosphärisch. Das Material, macht einen gewaltigen Sprung – und man braucht nicht mal einen Roboter. 

Fotograf: Benjamin Kromoser

» Zum Projekt
Alle Einreichungen zum Materialpreis 2017 finden Sie...
hier!

Impressionen der Preisverleihung

mP17_©PhilipKottlorz_01_w.jpg
mP17_Preisverleihung_0764_w.jpg
mP17_©PhilipKottlorz_08_w.jpg
mP17_Pokal-02_w.jpg
mP17_©PhilipKottlorz_11_w.jpg
mP17_©PhilipKottlorz_50_w.jpg
mP17_©PhilipKottlorz_14_w.jpg
mP17_©PhilipKottlorz_20_w.jpg
mP17_©PhilipKottlorz_35_w.jpg
mP17 Magazin-01_w.jpg
mP17_Preisträger©PhilipKottlorz_15_w.jpg
mP17_©PhilipKottlorz_35-2_w.jpg
mP17_©PhilipKottlorz_70_w.jpg
1/13

Bilder © Philip Kottlorz

Alle Juroren des Materialpreis finden Sie...
hier!
» Materialpreis 2016
» Materialpreis 2018
Verschaffen Sie sich den kreativen Freiraum und die Materialien, die Sie brauchen