Vom Lösen eines brennenden Problems

Vom Lösen eines brennenden Problems

Interview mit Rolf van den Berg und Elli André von DI Dekodur International

Als erstes Furnierwerk Deutschlands 1846 gegründet, hat sich das südhessische Unternehmen DI Dekodur International zum HPL-Spezialisten entwickelt und blickt auf über 150 Jahre Firmengeschichte zurück. Zu Beginn des Jahres wurden seine Materialien im neu eröffneten Jung und Sexy – ein von Studio Komo gestaltetes kleines, feines Café im Stuttgarter Bohnenviertel – eingesetzt. Wir begeben uns auf Spurensuche und schauen uns das Unternehmen DI Dekodur International einmal genauer an.

Wofür steht der Name DI Dekodur International?


DI steht für Dekodur International /
Dekodur setzt sich zusammen aus
Deko: dekorativ
Dur: duroplastisches Material, hart, widerstandsfähig, langlebig.

Unsere Kernkompetenz: HPML (high pressure metal laminates with deep embossings / Hochdruck-Metalllaminate mit tiefen Prägungen)

Ihr seid weltweit vertreibender Hersteller von HPL-Schichtstoffplatten mit verschiedensten Dekoren. Wie hat sich Euer Produktportfolio in den 150 Jahren Firmengeschichte entwickelt?

1846 gründete Johann Ludwig André das Sägewerk Gebrüder André, aus dem 1851 das erste Furnierwerk Deutschlands entstand. Über einhundert Jahre später gründete Marc Anton André die Firma Dekorplattenwerk Hirschhorn und schon im darauffolgenden Jahr entstand die erste dekorative Schichtstoffplatte mit einer Auflage aus echtem Metall (echtes Kupfer). Es folgte ein Materialmix in Design und Struktur. Echt Metalloberflächen in Aluminium, Edelstahl, Messing und Zinn-Optik waren fester Bestandteil in der Herstellung von dekorativen Hochdruck-Schichtstoffplatten. Seitdem gab es wichtige Meilensteine, die die Geschichte von Dekodur geprägt haben.

Dekoart art concept und Unique art – von Künstlern in Handarbeit gefertigte Motive in Melamin und Kupfer brachten Kunst in den Alltag. Jede Platte ist ein Unikat. Es folgten transluzente Schichtstoffplatten, die der Lichtarchitektur ein besondere Note verliehen und in Räumen Akzente setzten. Das Rindentuch, aus dem afrikanischen Feigenbaum gewonnen – deren Herstellung von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt wurde – war nun das Oberflächenmaterial für die Produktgruppe Dekowood bark cloth. Die Verbindung zur Natur war geschaffen. Es folgte die erste CO2-neutrale Schichtstoffplatte der Welt, frei von Formaldehyd und Phenol. Eco-HPL war geboren.

Anti Ghosting Touch steht für eine neue Oberfläche bei Dekopin (magnethaftendes HPL). Die matte Oberfläche kann mit einem Boardmarker beschriftet und anschließend rückstandslos, trocken abgewischt werden. Die Produktgruppe Magic Touch überzeugt mit ganz besonderen Merkmalen: Eine horizontal einsetzbare, kratzbeständige, abriebbeständige Schichtstoffplatte mit anti-Fingerprint Eigenschaft. Auf Anfrage auch mit antibakteriellen Eigenschaften erhältlich.

Deko Firesafe – eine nicht brennbare Schichtstoffplatte im Verbund – revolutioniert den Markt und Brandschutz erhält eine neue Bedeutung. 2019 entsteht die neue Kollektion der DI Dekodur International mit dem zertifizierten und patentierten nicht brennbaren Schichtstoff.

Dies waren nur einige Highlights. Wir schauen gespannt in die Zukunft!

Aus der Sicht eines Laien: Papier, getränkt in Harz, unter Druck miteinander verpresst – geht HPL so einfach?

HPL besteht aus geschichteten Zellulosefaserbahnen (Papier), die mit wärmehärtenden Harzen imprägniert sind. Die Deckschicht ist mit Melaminharz imprägniert und besitzt dekorative Farben oder Druckdesings. Statt der Farben oder Druckdesigns können aber auch dünne Metallfolien eingesetzt werden, die durch entsprechende Oberflächenbehandlung gegen äußere Einflüsse geschützt werden. Die Kernlagen sind mit Phenol- und Melaminharz imprägniert. Nach dem Durchhärten werden diese Harze zu duroplastischen Kunststoffen. Melaminharze härten zu transparenten, lichtbeständigen, kratzfesten und harten Beschichtungen aus. Sie sind bestens geeignet als Oberflächenschicht von HPL. Unter Zufuhr von Hitze und Druck bewirkt ein Fließen und anschließendes Aushärten der Harze, dass die Papierlagen zu einem homogen Material verbunden werden. Es entsteht ein Rohstoff mit geschlossener Oberfläche.

Eure Produktportfolio ist optisch breit gefächert, Eure Referenzen sind es auch. Gibt es ein Referenzprojekt, auf das Ihr besonders stolz seid?

Jedes Projekt ist auf seine Art außergewöhnlich. Um dennoch einige zu nennen:


> Wilmersdorfer Arkaden / Balkon- und Rolltreppenverkleidung in Deko Firesafe D 061 im Verbund.

> Hybrid Tower Frankfurt / Eine Etage in Aluminium kratzbeständig A 356 in Deko Firesafe

> Technische Universität Braunschweig / Deckeninstallation in Deko Firesafe in D 070

> Hotel in Trinidat Tobaco / Rezeption Installation in fossil / Bernstein-HPL (T 320)

> Sanitäre Anlagen Sanifair in Raststätten der Niederlanden in dekoart art concept mit handgemalaten Künstlermotivne nach den Ideen der Architektin Sarah Rosenthal

> Künstlermotive in Kupfer – besonders für den asiatischen Markt – in dekoart unique art, ein durch Oxidation erzieltes Farbenspiel

> Spielautomaten in Spielcasinos in USA in dekorial starline A 211 Spiegel gold und A 210 Spiegel silber

Ihr bietet HPL-Schichtstoffplatten mit sogenannten Künstlermotiven in Kupfer an. Was hat es damit auf sich und wie entsteht die Kooperation mit den Künstlern? Für welchen Einsatz sind diese besonderen Dekore gedacht?

Die Kooperation mit den Künstlern hat bereits in den 1980er Jahren begonnen. Die Vision war und ist, Kunst nicht nur einer besonderen Interessengruppe zugänglich zu machen, sondern Kunst in den Alltag und in das Leben aller Menschen zu integrieren. So entstand die Serie dekoart – Kunst eingebettet in HPL. Diese Schichtstoffplatten sind gedacht für den individuellen Innenausbau und auch bei der Realisierung von Projekten in den Corporite Identity Farben der jeweiligen Interessenten (z. B. Postbank, Lufthansa, etc.) möglich.

> Dekoart Art Concept: Künstlermotive in Melamin
> Dekoart Unique Art: Künstlermotive in Kupfer

Neben den HPL-Oberflächen bietet Ihr mit dem Produkt deko-FireSafe auch einen nicht brennbaren Verbund an. Wie kam es zu dieser Produktlösung?

Es gibt eine EN Norm EN 13501-1, die vorschreibt, dass in gewissen Bauabschnitten von großen Gebäuden, in den sich viele Menschen aufhalten (Fluchtwege, Hochhäuser, Krankenhäuser, Flughäfen) nur „nicht brennbare Materialien“ eingesetzt werden dürfen. Gleichzeitig gibt es innerhalb des gleichen Projektes aber auch Bauabschnitte, die diese Vorgaben nicht zwingend erfüllen müssen. Hier kommen die Brandschutzklassen „normal entflammbar“ oder „schwer entflammbar“ zum Tragen.

Wer kann im Moment ein Produkt liefern, das für die Spezifikation „nicht brennbar“ in einem Bauabschnitt die gleiche Dekoration anbieten kann, die man in schwer entflammbar und normal entflammbar hat? Wie bringt man das Dekor, das man in den Bereichen schwer entflammbar oder in normal entflammbar gemacht hat, auf einen Träger, der nicht brennt?

Das geht jetzt mit unserem Deko Firesafe-Patent. Wir haben durch diese Innovation die Möglichkeit, dass wir jeden Träger, der nicht brennbar ist, beschichten können – mit dem gleichen Dekor wie in den anderen Brandschutzklassen-Bereichen. Somit haben wir plötzlich nicht nur einen Materialverbund, sondern auch einen Dekorverbund. Mit unserer Erfindung haben wir jetzt die Möglichkeit einen kompletten Dekorverbund in allen Bauprojekten abzudecken. Wir lösen ein brennendes Problem von Architekten!

Ihr bietet seit Mai diesen Jahres 5 Jahre Garantie auf alle Eure Produkte an. Wie kommt es zu diesem starken Versprechen an Architekten und Verbraucher?

Um dem Kunden zu versichern, dass unser Material höchsten Ansprüchen gerecht wird, möchten wir bei fachgerechter Verarbeitung unserer Produkte diese Garantie geben. Wir haben gelernt, dass kleine und mittlere Verarbeiter unter Umständen ein brennendes Problem haben.

In Bauverträgen (VOB) mit ihren Kunden verpflichten sich unsere Verarbeiter zu Gewährleistungszeiten von bis zu 5 Jahren. Auch muss, um die Schlusszahlung zu erhalten unser Verarbeiter meist eine Bankbürgschaft bringen, um die letzten 10 % der Auftragssumme zu erhalten. Wir als Lieferant bieten branchenüblich heute nur 12 bis max. 24 Monate Gewährleistung. Das belastet unseren Kunden sehr. Um unserem Kunden zu vermitteln, dass wir ihn auf diesem Weg begleiten, haben wir uns für eine 5jährige Herstellergarantie entschieden.

Mit dem Café Jung & Sexy wurde kürzlich ein Projekt eröffnet, bei dem Eure Produkte verbaut worden sind. Schaut Ihr Euch die realisierten Referenzen persönlich an?

Wir stehen mit unseren Kunden immer in Kontakt und verfolgen deren Projekte immer mit Interesse. Bild © Studio Komo

Material, das Ihr braucht:

Papier, Glasfaserplatten und Harz – für eine saubere Oberfläche

Material, das Euch bewegt:

Blähglas (A2-S1-D0)

Material, von dem Ihr träumt:

dekor FireSafe leichteste Platte der Welt. Vermiculitplatte: 800 kg/m³ (für den Schiffsbau) / Promat 1300 kg/m³, Blähglas: 550 kg/m³

DI Dekodur International entwickelte in den 1950er-Jahren das erste HPL mit dekorativer Echt-Metalloberfläche in den Ausführungen Kupfer, Aluminium (bis hin zu Aluminium-Spiegeln), Edelstahl und Zinn und ist seither führend mit dieser Technologie. Zudem bietet das Unternehmen auch extrem tiefe Strukturen auf HPL, transluzente HPL, sowie von Künstlern individuell gestaltete, dekorative HPL, bei der jede Platte ein Unikat ist. Weitere Besonderheiten sind auch eine Schichtstoffplatte aus der Rinde des Feigenbaums (bark cloth) und eine CO2-neutrale Schichtstoffplatte (Eco HPL), die frei von Formaldehyd und Phenol ist.

Die Personen dahinter sind: Rolf van den Berg, CEO (Bild links) Elli André, Executive Marketing (Bild rechts) und ca. 70 Mitarbeiter

Die Produkte: dekorative Hochdrucklaminte mit einer Oberfläche aus Echtmetall (in den unterschiedlichsten Prägungen) und Melamin (Unifarben, Fantasie-, Holz- und Steindekoren)

Bilder © DI Dekodur International


DI Dekodur International GmbH & Co. KG

Langenthaler Straße 4
69434 Hirschhorn am Neckar
Deutschland

www.dekodur.com

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