Teppich

Teppich Wissen

Teppich ist ein textiler Bodenbelag, der geknüpft, gewirkt oder gewebt ist und sowohl vollflächig als auch nur teilweise, dann zumeist in rechteckiger Form, auf den Boden gelegt wird.

Definition

Unter einem Teppich versteht man eine textile Fläche, die gewebt, getuftet, geknüpft oder gewirkt ist und hauptsächlich auf dem Boden seine Anwendung findet. Ein Teppich ist in der klassischen Variante rund oder rechteckig und verdeckt nur Teile des Fußbodens, ist aber nicht permanent damit verbunden.

Teppichboden ist ist ein großes Stück Teppich, das in einem Raum vollflächig von Wand zu Wand verlegt und mit dem Boden fest verbunden wird.

Benannt werden die textilen Bodenbeläge nach ihrem Ausgangsmaterial, ihrer Struktur und der Rückenausrüstung. Es wird generell zwischen Flachteppichen und Florteppichen unterschieden.

Flachteppiche

Diese Art von textilem Bodenbelag wird auf Webstühlen hergestellt, wobei Kette und Schuss als dünne Nutzschicht dienen. Eine weitere Schicht, der Rücken, dient dem Komfort. Flachteppiche werden meist aus pflanzlichen Naturfasern wie Kokos, Sisal oder Jute hergestellt. Gewirkt werden Flachteppiche um ein Bild in den Teppich einzuarbeiten, auch Bildwirkerei genannt.

Florteppiche

Hier besteht die Nutzschicht aus einem Flor, welcher in das Trägermaterial einbracht ist. Der Flor ist eine dichte Schicht aus nach oben stehenden Fasern bzw. Garnen. Florteppiche werden durch Tuften oder Knüpfen hergestellt.

Neben dem traditionellen Weben eines Teppichs, ist das meist verwendete Verfahren das "Tuftingverfahren" (engl: tuft ="" Büschel). Bei diesem Verfahren verwendet man eine Tuftingmaschine, in der zahlreiche Nadeln parallel angeordnet sind und die das ausgewählte Garn in das vorgefertigte Trägermaterial einsticken. Dabei Entstehen mehrere kleinere Schlingen, die bei Belieben aufgeschnitten werden können. Ein großer prozentualer Anteil, der mit der Tufting-Methode produzierten Bodenbeläge, besteht aus Polyamid. Somit werden die höchsten Anforderungen an Scheuer,- Reiß,- und Abriebfestigkeit erzielt. Bei getufteten Waren dienen meist Polyprophylen- oder Polyestervliese als Trägermaterialien. Es gibt drei Grundtypen des Tuftingverfahrens.

Das erste Verfahren eignet sich sehr gut für Kinderzimmer und Büroräume, da hierbei ein sehr strapazierfähiger Teppichboden hergestellt wird. Es handelt sich um ein, aus geschlossenen Garn- oder Faserschlingen bestehenden Schlingenflor (Boucle).

Bei dem zweiten Verfahren werden die Schlingen aufgeschnitten, wodurch eine hochwertige, flauschige Optik entsteht.

Bei dem dritten Verfahren handelt es sich um eine Kombination aus dem ersten und zweiten Verfahren. Durch die Hoch- Tief- Struktur erhält der Teppich ein sehr interessantes und individuell gestaltbares Aussehen. Dieses Verfahren sollte jedoch in weniger strapazierten Zimmern verwendet werden.

Die textilen Bodenbeläge werden nach EN 1307 geprüft. Dabei wird angegeben:> das Gewicht> die Noppenanzahl> die Nutzschichtdicke> das Fasermaterial> das Gebrauchsverhalten

Die Teppichböden werden in vier Beanspruchungsklassen eingeteilt. Dabei ist Klasse 1 gering und Klasse 4 extrem beanspruchbar.Die Lebensdauer der textilen Bodenbeläge hängt von der Polrohdichte ab, die sich wie folgt berechnen lässt: Polschichtgewicht/ Polschichtdicke. Je größer der Wert ist, desto höher ist die Lebensdauer des Teppichbodens.

Bereits im 19. Jahrhundert v. Chr. wurden Teppiche geknüpft,was durch Tontafeln assyrischer Händler belegt ist. Das babylonische Wort Kasiru bezeichnete den Teppichknüpfer. Der älteste Teppich, der gefunden wurde, geht auf das 5. Jahrhundert v. Chr. zurück. Er wurde bei Ausgrabungen im Altaigebirge gefunden und trägt deshalb den Namen Teppich von Pazyryk. Die Kette und der Schuss des Pazyryk-Teppichs sind aus Wolle und die Knoten sind symmetrisch geknüpft. Seine Technik und die geschickt angewandte Arbeit machen ihn zu einem hoch entwickelten Werk.

Sorten & Arten

Pflanzliche Fasern

Pflanzliche Fasern werden überwiegend in Flachteppichen eingesetzt. Als Flor eingesetzte Baumwolle weist eine angenehme Haptik auf, ist aber eher unelastisch.

Tierische Fasern

Teppiche aus tierischen Fasern weisen ein sehr gutes Sorptionsvermögen auf. Verwendet man Tierhaare als Beimischung so steigern sie die Widerstandsfähigkeit des Teppichs.Bei Wolle wird zwischen Schurwolle und Reißwolle unterschieden. Schurwolle wird direkt vom Schaf geschoren und besitzt eine hohe Elastizität, ist schmutzunempfindlich und schwer entflammbar. Reißwolle ist wiederverwendete Wolle, die einen sogenannten Reißwolf durch läuft, wo sie wieder zu Flocke verarbeitet und gemischt wird. Die Wolle sorgt für ein günstiges Raumklima auf Grund ihres hohen Feuchtigkeitsabsorptionsvermögens.

Synthetische Fasern

Synthetische Fasern werden durch ein Spinnverfahren aus Rohöl erzeugt. Sie haben die Eigenschaft keine Feuchtigkeit aufzunehmen und zunächst sehr glatt zu sein. Durch eine mechanische Verarbeitung kann man die haptische Qualität verbessern. Durch beschichten der Fasern kann man die elektrostatische Eigenschaft und die Anschmutzbarkeit verbessern. Zusätzlich besteht die Möglichkeit eine Beschichtung gegen das Ausbleichen des Teppichbodens aufzutragen.

Teppichfliesen findet man in den Größe 50 x 50 cm und 100 x 100 cm. Auf Grund der rutschfesten Beschichtung können die Fliesen lose verlegt werden. Die Vorteile der Fliesen, im Vergleich zu Rollenware, liegen unter anderem darin, dass einzelne Fliesen bei Verschmutzung ausgetauscht und neu verlegt werden können. Außerdem sind sie sehr viel leichter zu transportieren.

Orientteppiche sind Teppiche die vor hauptsächlich im Orient durch Weben und Knüpfen hergestellt wurden. Von Nordafrika bis zum nahen Osten und Zentralasien erstrecken sich die Gegenden, in denen der Orientteppich hergestellt wurde. Zusammen bilden sie den „Teppichgürtel“.

Eine genaue Definition des Orientteppichs gibt es nicht, da sich in den verschiedenen Regionen unterschiedliche Arten entwickelt haben, die sich in ihrer Farbe, Form, Große und Materialwahl leicht unterscheiden.

Jedoch sind alle als Orientteppich bezeichneten textilen Arbeiten in Handarbeit traditionell hergestellte Teppiche, die sich in ihren Farbgebungen und filigranen Musterungen, meist mit zentralem, ornamentalischem Kreismotiv und floral anmutendem Rahmen, ähneln.

Be- & Verarbeitung

Ganzflächig oder punktuell verkleben? - Infolge von Temperatur- und Feuchtigkeitsschwankungen können sich Teppiche ausdehnen und wieder zusammen ziehen. Besonders großflächig verlegte Teppiche schlagen dabei Wellen, deshalb sollten Teppiche ab einer Größe von 25 m² ganzflächig verklebt werden.

Teppiche, die keine Rollenware sind und nur partiell den Boden verdecken, können einfach auf den Boden gelegt werden. Eine Anti-Rutsch-Matte als Lage zwischen Boden und Teppich ist besonders bei glatten Bodenbelägen ratsam.

Phänomene

Teppichböden vermitteln eine gemütliche Atmosphäre und steigern das menschliche Wohlbefinden. Auch sind sie aus gesundheitlichen Aspekten von Vorteil, da sie durch ihre dämpfende Eigenschaft beim Gehen die Wirbelsäule schonen. Durch die wärmeisolierende Fähigkeit der textilen Bodenbeläge kann außerdem Energie eingespart werden. Teppichböden sind auf Grund der zum größten Teil eingesetzten Kunstfasern sehr pflegeleicht.

Bei diesen Belägen muss beachtet werden, dass sie bei Kontakt mit Feuchtigkeit oder schwankenden Temperaturen Ihre Größe verändern. Kokos zum Beispiel dehnt sich bei Feuchtigkeitsaufnahme aus und schrumpft bei Trockenheit wieder. Konträr dazu verhalten sich Sisalbeläge.Diese Bodenbeläge sollten vor dem Verlegen einen Tag in ausgrolltem Zustand in dem Raum gelegt werden, in dem sie letztendlich verlegt werden. Bei groben Zuschnitten sollte für jede Bahn eine Zugabe von ca. 2% eingerechnet werden. Der Unterboden muss gereinigt und trocken sein und darf keine Risse aufweisen. Eine vorhandene Fußbodenheizung sollte mindestens 24 Stunden vor und nach dem Verlegen nicht eingeschaltet werden. Idealerweise wird ein Kokos- oder Sisalboden vollflächig verklebt. Der Klebstoff sollte auf den Unterboden abgestimmt sein.

Auch Hausstaubmilben-Allergiker müssen nicht auf Teppichboden verzichten. „Die früher grundsätzlich gegebene Empfehlung, bei Hausstaub- bzw. Milbensensibilisierung Teppiche zu entfernen, kann nach dem heutigen Stand der Forschung nicht mehr generell aufrechterhalten werden“, so der Deutsche Allergie- und Asthmabund (DAAB). Denn der Allergie auslösende Milbenkot wird bis zum nächsten saugen vom Teppichboden eingebunden und gelangt somit nicht in die Raumluft. So hat sich herausgestellt, dass die Luft in einem Raum, mit glatten Boden viermal stärker belastet ist, als in einem Raum der mit Teppichboden ausgelegt ist. Weiterhin wird für Allergiker empfohlen einen kurzflorigen Teppich zu wählen, da sich dieser sehr gut von Staub reinigen lässt.

Lexikon

Der Name stammt von einer Oasenstadt im Westen des Irans. In den Teppichen ist fast immer ein dunkles Ziegelrot zu finden.

Bezeichnung für eine Farbdifferenz im Teppich. Diese entsteht, wenn innerhalb eines Teppichs das Garn ausgeht und mit neu eingefärbter Wolle weitergeknüpft wird.

Kette und Schuss bestehen aus Ziegenhaar und Schafswolle im Flor. Diese stammen meist aus den Herden der aus Zentralasiatien stammenden Teppichherstellern.

Kette und Schuss bestehen aus Baumwolle und der Flor aus strapazierfähiger Schurwolle.

Bidjar ist ein Teppich, der zu den hochwertigsten Orientteppichen zählt. Man differenziert zwischen Bidjars aus Bidjar und den Tekab Bidjars. Sie unterscheiden sich in der Dicke des des verwendeten Schussfadens.

In Knüpftechnik angefertigte Teppiche mit Ursprung in Kairo.

Ceyrek ist ein Teppichmaß. Der türkische Begriff bedeutet „Viertel“. Es entspricht ca. 1,5m².

Größenbezeichnung für Teppiche. Entspricht ca. einer Größe von 120 -140 x 200 cm.

Als echte Farbe wird ein Farbstoff bezeichen, der aus Pflanzenteilen, Tieren oder Mineralien hergestellt wurde.

Auf Grund ihres Fettgehalts wirkt eine Wolle schmutz- und wasserabweisend. Im Laufe der Zeit verringert sich der Fettgehalt eines Teppichs, bzw. seines verwendeten Garnes, weshalb man ihm nach dem Waschen wieder Fett zuführen sollte.

Bei Schafen bildet sich im Winter eine Unterhaarwolle, die sehr weich und flauschig ist. Die Wolle ist sehr fein und besitzt einen hohen Glanz. Am feinsten ist die Unterhaarwolle an der Kehle des Schafes. Die Flaumwolle wird nicht wie normale Wolle geschoren, sondern gezupft. Ist in einem Teppich Flaumwolle enthalten, so wird dem Teppich das Wort KORK beigefügt.

Einzelne Fäden werden an einem Knüpfrahmen in das Grundgewebe eingeknotet. Dieses besteht aus Kette und Schuss. Das Grundgewebe dient einem festen Zusammenhalt des Teppichs.

Hamadan Teppiche werden meist von der iranischen Landbevölkerung von Hand geknüpft und besitzen eine sehr vielfältige Musterung.

Ein uns schon lang bekannter Blau-Farbstoff. Färbt man ein Garn mit Indigo, so ist es beim Entnehmen aus der Färbeflotte grün. Der Farbstoff oxidiert an der Luft du einem Blauton.

Auf dem Jagdteppich werden Jagdszenen dargestellt. Der vermeintlich schönste ist der „ Wiener Jagdteppich“, zu sehen im Österreichischen Museum für angewandte Kunst in Wien.

Bezeichnung einer Schildlaus, die auf Grund ihrer Bestandteile blaue und rote Farbstoffe liefert.

Ketteln ist maschengerechtes nähen und bedeutet im Bezug auf Teppiche das Fixieren der Teppichkanten.

Ein Garn, das aus den Fasern eines im Herbst geschorenen Schafes entsteht.

Die Bezeichnung gilt für Teppiche, die einen Flor von mehr als 10 mm haben.

Darunter versteht man die Anwendung eines Musters, das ursprünglich aus einer anderen Provinz stammt. Dies passiert meist dann, wenn eine Knüpferin heiratet, in ein anderes Gebiet zieht und dort die ehemals gelernten Musterungen weiter umsetzt.

Sehr feine Teppiche mit bis zu 1,6 Millionen Knoten pro m². Bei den feinsten Teppichen wird Naturseide als Kettmaterial verwendet.

Wird zum Entfernen von Tinte- und Rostflecken verwendet.

Ein sehr feines Garn, das aus Fasern besteht, die sich zwischen den langen Haaren von Schafen befinden und bei der Frühjahrsschur gewonnen werden.

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