Die Ästhetik der Reduktion

Die Ästhetik der Reduktion

Interview mit Christine und Thomas Steimle von Steimle Architekten

Zum vergangenen Materialpreis konnte sich ein Architekturbüro gleich über zwei der begehrten Auszeichnungen von raumprobe freuen – Steimle Architekten aus Stuttgart! Mit den Projekten Bücherei Kressbronn und Bürogebäude Südweststrom konnten sie die Jury überzeugen. Besondere Materialien und der adäquate Materialeinsatz, damit kennen die Architekten von Steimle sich eindeutig aus. Wir freuen uns deshalb sehr darüber, Christine Steimle beim kommenden Materialpreis in der Jury begrüßen zu dürfen und schon jetzt hier zum Interview!

Beton und Holz, klare Linien und grafische Formen. Ist das die Formensprache von Steimle?


Beton und Holz reizen uns unglaublich. Beide Materialien sind rau, sanft und ehrlich zugleich. Beton zeigt die monolithische Schwere der Gebäude und wirkt wie ein steinernes gegossenes Gefäß. Zugleich erfahren die Oberflächen durch unterschiedlichste Bearbeitungen, wie z.B. schroff und schartig, seidenmatt oder papierglatt, eine besondere Haptik. Präzise eingesetzt haben Beton und Holz einen unglaublichen Charme für uns.

Projekt: Bürogebäude Südweststrom, Tübingen

Ihr greift für Eure Projekte auf altbewährte und natürliche Materialien zurück. Gibt es ein spannendes neues Material, dessen Einsatz Euch reizen würde, es aber bisher noch nicht gepasst hat?

Oh ja – wir sind immer auf der Suche nach neuen Inspirationen. Das recht neue Material Textilbeton mit Carbonfasern, mit dem sehr dünne und tragfähige Schalen hergestellt werden können, bietet uns einen Anreiz für unsere Träume, eines Tages damit eine elegant geschwungene Brücke zu bauen.

Projekt: Landratsamt, Bad Kissingen

Bei dem Projekt Bücherei Kressbronn habt Ihr für einen alten Stadel eine sehr feinfühlige und gleichzeitig zeitgemäße Antwort gefunden. Grundelemente blieben erhalten und wurden nicht hinter der Moderne versteckt. Die Holzlamellen an der Fassade sind da bei besonders eindrücklich. Was hat es mit der dynamischen Anordnung auf sich?

Die erste Inspiration für die Fassadengestaltung fanden wir bereits bei der Besichtigung des Ortes im Rahmen des Wettbewerbs-Kolloquiums: Auf einer schmalen Hühnerleiter konnten wir damals auf das Tennengeschoss des alten Stadels gelangen, das von vertikalen morschen Holzlatten umgeben war, bei denen bereits einige Bretter fehlten. Das durch die Spalten der verfallenen Hülle einfallende Streiflicht ergab einen fantastischen Lichteinfall und inspirierte uns dazu, die neue Hülle entsprechend zu gestalten.

Um das für die Bibliothek gewünschte diffuse Licht zu erhalten, wurde die alte Fassade subtil umgewandelt, indem sich die neuen Holzlamellen um ihre Vertikale Achse leicht aufdrehen, durch unterschiedliche Winkel das Tageslicht filtern und vielfältige Einblicke ins Innere ermöglichen.

Projekt links und unten: Bücherei, Kressbronn


Zum Einsatz kamen hier Fassadenelemente unseres Materialpartners »häussermann

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In jüngerer Zeit seid Ihr durch öffentliche und gewerbliche Bauten in den Medien gewesen. Gibt es bei diesem Gebäudetypus für Euch mehr oder weniger Freiheiten im Gestalten?

… Weder noch. Der Prozess der Ideenfindung ist immer maßgeblich von der Aufgabe und der Auseinandersetzung mit dem Ort geprägt. Aus beiden entsteht im Rahmen des Entwurfsprozesses relativ schnell ein atmosphärisches Bild – eher im Sinne eines Spirits. Wir versuchen ganz bewusst, möglichst vielseitig zu sein, uns ganz unterschiedlichen Aufgaben zu widmen und für jede neue Aufgabe eine individuelle und angemessene Antwort zu finden.

Projekt: Wohn- und Geschäftshaus Strom-/Turmstraße, Berlin

Eure Fassadengestallungen sind äußerst grafisch gerastert, der besondere Detaillierungsgrad der Fenster (-öffnungen) trägt Eure Handschrift. Welches architektonische Element bereitet Euch die meiste Gestaltungsfreude?

Aktuell erfreuen wir uns bei unseren Dämmbetonprojekten am Wegfall von lästigen Details mit Dämmungsübergängen und Abdichtungsfolien, da man dies beim Einsatz von Leichtbeton nicht benötigt. Der Beton ist in diesem Fall Tragwerk, Dämmung und Fassade in einem. Das Fenster sitzt in der Öffnung und fertig.

Projekt: Bürogebäude Südweststrom, Tübingen

Mit dem Rathaus Remchingen ist Euch erneut ein wirklich besonderes Gebäude gelungen. Vor allem der skulpturale Umgang der Oberlichter und Wandfaltungen überraschen. Wie sind diese Elemente gestaltungstechnisch hergeleitet ?


Hinter der gefalteten Wand liegt die besondere Nutzung des zweigeschossigen Ratssaales. Die Wandfaltungen im Inneren des Saales ergeben zugleich die für die Raumakustik notwendigen Reflexionswinkel. Alle Öffnungen am Gebäude – nicht nur die Oberlichter – sind plastisch gestaltet, wie in den Stein gehauen und nicht nur als aufgesetzte Öffnungen ausgeführt. Durch die besondere Gestaltung als Lichtkanonen in der Decke des Atriums werden auch die Laibungen der Oberlichter sehr hell ausgeleuchtet und es entsteht ein spannender Lichteinfall in der Halle.

Projekt: Rathaus, Remchingen

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Ihr habt vor Kurzem ein weiteres Büro in der Stuttgarter Innenstadt bezogen. Wie sehr zeigt sich Eure Ästhetik in den eigenen Räumen?

Durch Reduktion würde ich sagen. Wir haben viele verschachtelte Wände entfernt, einen großen offenen Raum geschaffen mit viel Licht, weißen Wänden, weißen Tischen, hellem Holzboden, bunten Menschen und einem tollen Blick auf das städtische Leben am Marktplatz.

Material, das lhr braucht:

Espresso!

Material, das Euch bewegt:

…nachhaltige massive Materialien wie Stein, Beton, Holz.

Material, von dem Ihr träumt:

… alles was Plastik ersetzen kann.



Projekt: Landratsamt, Bad Kissingen

Die Fragen wurden beantwortet von: Christine und Thomas Steimle.


Name des Unternehmens: Steimle Architekten BDA.

Die Personen dahinter sind: Thomas Steimle und Christine Steimle in der Geschäftsführung.

Die Produkte: Hochbauprojekte im privaten und öffentlichen Bereich.


Gut geschult in gestalterischen und typologischen Fragen bewegt sich das Architektenduo im Spannungsfeld von Wettbewerben, privaten und öffentlichen Gebäuden. Die Architekten Christine und Thomas Steimle mit Ihrem Team sehen die Herausforderung ihres Schaffens in der Offenheit für ein breites Spektrum an Bauaufgaben.

Bilder © Brigida González

Visualisierung Wohn- und Geschäftshaus Strom-/Turmstraße in Berlin © Steimle Architekten BDA / Visualisierung: loomn




Steimle Architekten BDA

Marktplatz 6+10
70173 Stuttgart

www.steimle-architekten.com

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