Vertraute Materialien, vertrautes Handwerk

Vertraute Materialien, vertrautes Handwerk

Interview mit Armin Pedevilla

Pedevilla Architects, das Architektürbüro der Südtiroler Brüder Alexander und Armin Pedevilla, ist bekannt für Bauprojekte mit viel Liebe zum Detail, Feingefühl bei der Materialauswahl und die Verbindung von Tradition und zeitgenössischer Architektur. Mit raumprobe gab es in der Vergangenheit mehrere Berührungspunkte. So wurde die gelbe Feuerwehr, ein farblich außergewöhnliches Gebäude am Standort Sand in Taufers in Südtirol, 2017 mit dem Materialpreis ausgezeichnet. 2019 durften wir dann Armin Pedevilla in der Jury des Materialpreis begrüßen.

Bei Euren Gebäuden gibt es immer starke Bezüge zur Umgebung und den örtlichen Traditionen. Gibt es dabei ein festes Vorgehen während der Planung?

Wir versuchen uns in den Ort hineinzuhören, zu beobachten und zuzuhören, was uns der Ort, der Bauherr und die Tradition zu erzählen haben. Nach dem Zuhören versuchen wir das Gehörte zu verstehen, untereinander abzustimmen, was wir gehört haben, und ob wir dasselbe gehört haben. Anschließend versuchen wir das Verstandene in Architektur umzusetzen.

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Euch ist der Bezug zur Region sehr wichtig. Besonders deutlich wird das in dem Projekt Ciasa, da alle benutzen Materialien natürlichen Ursprungs sind und von regionalen Handwerkern verarbeitet wurden. Nachhaltigkeit so auf die Spitze zu treiben, stellt das eine Schwierigkeit oder eine ganz besondere Herausforderung dar?

Wir suchen generell in unseren Projekten die Herausforderung. Bei der Ciasa war es eben dieser extreme Wunsch der Bauherren nach gelebter Nachhaltigkeit, den wir spannend fanden. Materialien und Handwerker so zu motivieren und auszureizen, dass etwas Neues entstehen kann, ist ein Erlebnis, das auch die Handwerker anspornt, die am Ende selbst oftmals überrascht und begeistert vom Resultat sind.

Uns immer wieder einlassen zu dürfen auf neue Wünsche, Orte und Aufgaben sehen wir als Geschenk und nehmen diese Herausforderungen daher gern an.

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Ihr schafft es traditionellen Bauelementen, wie beispielsweise Schindeln, ein modernes Aussehen zu geben. Sucht Ihr gezielt nach altertümlichen Merkmalen und Verarbeitungsprozessen um diese in die Gegenwart zu übersetzen?

Warum sollen wir nicht Altbewährtes weiterverwenden, wenn es sich immer noch bewährt? Wir hinterfragen diese Techniken und Materialien vor unserem Einsatz: Haben sie immer noch Berechtigung und Funktion? Wenn ja, dann werden sie wieder eingesetzt. So ist das mit der Tradition. Es sind vertraute Materialien, vertrautes Handwerk – nur im neuen Kontext.

Ihr kommt aus dem wunderschönen Südtirol mit seinen traditionellen Bauwerken und der unglaublichen Natur dort. Ist jeder Spaziergang für Euch also Recherche für das nächste Projekt?

Wenn man täglich von dieser Landschaft umgeben ist, nimmt sie automatisch Einfluss auf uns Menschen und ist mitbestimmend für den Entwurf unserer Gebäude. Aufgrund der Globalisierung haben wir vermehrt verlernt, diese Eindrücke mit in unseren Alltag und in unsere Arbeit zu nehmen. Dabei geht ein Teil unserer Kultur verloren. Besinnen wir uns wieder auf diese regionalen Qualitäten, so kann auch ein materialgerechtes Bauen entstehen.

Materialgerechtes Bauen bedeutet, sich mit Handwerk, Tradition, und Kultur auseinanderzusetzen. Welche Menschen leben dort unter welchen Umständen und bestimmen somit den Ort? Welches Handwerk hat sich aus diesem Ort entwickelt und unter welchen konstruktiven und wirtschaftlichen Überlegungen wurden Gebäude gebaut?

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Ihr lasst teilweise für Eure Projekte eigens designte Lampen und Möbel anfertigen. Liegt das daran, dass es Möbel, die Tradition und Moderne verbinden, nicht gibt?

Manche Projekte haben den Anspruch, nicht nur das Gebäude als Prototypen zu entwickeln, sondern auch das Innenleben. Die Möbel und Lampen, die wir dazu entwickeln, haben sehr viel mit Tradition zu tun. Sie ergänzen das Gebäude und machen es zu einer Einheit. Auch hier gilt derselbe Grundgedanke, altbewährtes im neuen Kontext einzusetzen.


Bei Euren Projekten kommen hauptsächlich natürliche und altbewährte Materialien zum Einsatz. Gibt es ein modernes Material, mit dem Ihr gerne arbeiten würdet, das bisher nicht in die alpinen Konzepte gepasst hat?

Materialien müssen Leben ausstrahlen. Der Reiz in der Verwendung altbewährter Materialien besteht darin, sie in der Behandlung der Oberflächen und im Einsatz neu erscheinen zu lassen. Dabei kommt es auf die Behandlung der Oberfläche, die Kombination verschiedener Materialien und handwerklicher Techniken an. Beispielsweise, wenn Messingbleche mit der Straßenwalze geformt werden – so entsteht eine ganz spezielle Patina, die noch nie dagewesen ist, aber vertraut wirkt.

Oder feuerverzinntes Blech, dessen einmalige Oberfläche beim Auftreffen von Schneeflocken während der Feuerverzinnung entsteht. Diese Oberflächen gibt es nur einmal und eben nur aus ganz genau diesem Moment der Herstellung. Dabei spielen Temperatur, die Verfassung des Menschen, der Untergrund, das Tagesklima und vieles mehr die entscheidende Rolle. Darin liegt der Reiz.

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Ihr baut 2020 Euer erstes Projekt in Deutschland, genauer Dresden. Wie funktioniert das Pedevilla-Konzept außerhalb der Berge?

Genauer gesagt zwei Projekte gleichzeitig. Eine Villa in Dresden und eine Villa am Ammersee bei München. Das eine ist eine Stadtvilla, die andere eine Villa am See. Die Herangehensweise ist immer dieselbe. Wir analysieren auch hier zum einen den Bauherren, den Ort, die Materialien und Gebäudeformen, die dort Tradition haben; hören zu und entwickeln daraus dann das Projekt. Das Projekt in Dresden hat somit mehr mit den historischen Stadtvillen zu tun und beim Projekt am See mehr mit den Bootshäusern.

Material, das Ihr braucht:

Die Herausforderung.

Material, das Euch bewegt:

Die Natur.

Material, von dem Ihr träumt:

Materialien, die man jeden Tag sehen und streicheln will.

Pedevilla Architects, das sind Alexander und Armin Pedevilla aus Bruneck in Südtirol. Das Architekturbüro, das 2005 von den Brüdern gegründet wurde, erlangte durch Gebäude wie die gelbe Feuerwehr und das Ferienhaus La Pedevilla internationale Aufmerksamkeit und erhielt zahlreiche Auszeichnungen.

Die Personen dahinter sind: Alexander und Armin und ein starkes Team.

Die Produkte: Architektonische Planung und Ausführung von verschiedenen Bauaufgaben. Bilder © Gustav Willeit

PEDEVILLA ARCHITECTS
Paul von Sternbach Strasse 1
39031 Bruneck
Italien
www.pedevilla.info

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